Eine tödliche Romanze am Fluss – Der amerikanische Folksong “Banks of the Ohio”
Wer glaubt, traditionelle Balladen seien mmer brav und romantisch, der sollte sich unbedingt einmal "Banks of the Ohio" anhören. Hinter der sanften Melodie und dem typischen Fingerpicking der Appalachen verbirgt sich ein erschütterndes Verbrechen.
Der Song, der vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammt, erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der am Ufer des Ohio River um die Hand seiner Geliebten Willie anhält. Doch als sie ihn abweist, kippt die Stimmung radikal: Aus Verzweiflung wird tödlicher Zorn. Er stößt sie in die Fluten des Flusses – mit den berühmt-berüchtigten Zeilen: "Then I pushed her in, to where she'd drown, and watched her as she floated down."
Besonders bekannt wurde der Song durch die Versionen von Doc Watson (ein Meisterwerk des Flatpickings) oder der Carter Family. Aber auch Joan Baez, Olivia Newton-John und sogar Bluegrass-Urgesteine wie Bill Monroe haben sich der düsteren Ballade angenommen.
Spannend ist der Wandel des narrativen Perspektive: Ursprünglich sang der Mörder das Lied als stolzen Geständnissong. In moderneren Folk-Interpretationen wird die Tat oft kritisch oder aus der Sicht der Toten geschildert.
"Banks Of The Ohio" ist eine wunderschöne, melancholische Melodie und die perfekte Verpackung für eine der bekanntesten "Murder Ballads" der amerikanischen Musikgeschichte.

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